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Dienstag, 29.11.2011:

Bewegung in der Rotlichtszene

Ab 30 000 Einwohner darf es Bordelle geben. Während das Etablissement in Coburg-Ketschendorf verwaist ist, steht ein neues in Scheuerfeld kurz vor der Eröffnung. Die Nachbarn sind wenig begeistert.


Coburg - "Na ja, wir können halt nichts dagegen machen". Die junge Frau, die unmittelbar neben dem künftigen Bordell wohnt und namentlich nicht in der Zeitung stehen will, zuckt mit den Schultern und zeigt auf das Nachbarhaus. Das Gebäude, vermutlich aus den 70er- Jahren, hat schon bessere Zeiten gesehen. An einigen Stellen bröckelt der schmutzige Putz. Der integrierte Friseursalon ist verwaist. Und exakt hier, in die Scheuerfelder Eichofstraße in Wurfweite zu einem Autohaus, soll er hin, der Puff.

Verschmutzte Vorgärten

Das Haus hat ein Mann gekauft, der in Creidlitz bereits mehrere Räumlichkeiten für das horizontale Gewerbe zur Verfügung stellt. Offensichtlich ist Bedarf da, nachdem ein Wohnungsbordell in Ketschendorf schon seit Wochen leer steht. Anfang 2010 waren hier Anwohner auf die Barrikaden gegangen, nachdem in einem ehemaligen Sonnenstudio überwiegend junge Damen aus Osteuropa ihre Dienste angeboten hatten. Es gab massive Beschwerden über Lärm der Kundschaft und Verschmutzungen in Vorgärten.

Jetzt also Scheuerfeld. Der neue Besitzer habe versprochen, sich darum zu kümmern, dass die Nachbarn so gut wie nichts mitbekommen. "Der Friseursalon soll wieder eröffnet werden. Und eine rote Laterne wird es auch nicht geben", meint die Nachbarin. Aber die Frau hat trotzdem so ihre Zweifel: "Wir werden wohl ein Tor an die Einfahrt machen müssen. Nicht, dass die Freier noch versehentlich hier parken." Ihr Haus hat die gleiche Nummer. Die Adresse unterscheidet sich lediglich durch einen Buchstaben dahinter.

Ganz offiziell liegt beim Bauamt der Stadt ein Antrag vor, das Anwesen künftig als bordellähnlichen Betrieb zu nutzen. "Grundsätzlich", sagt Michael Selzer, der Pressesprecher der Stadt, sei dagegen nichts einzuwenden. Die Eichhofstraße gehört zu einem Gewerbegebiet. Hier habe die Stadt überhaupt keine andere Möglichkeit, als das Freudenhaus zu genehmigen. "Rechtlich ist das keine Kann-, sondern eine Mussbestimmung."

Wöchentlicher Wechsel

Am Mittwoch dieser Woche ging der Bescheid des Bauamtes für eine Nutzungsänderung von einem Gewerbegebäude zu einem bordellähnlichen Betrieb mit "wöchentlichem Wechsel und Beherbergung während der Arbeitszeit" an den Antragsteller raus. Im Gegensatz zur Wohnungsprostitution, bei der die Damen auch dort gemeldet sein müssen, wird also nicht nur bei den Freiern ein ständiges Kommen und Gehen herrschen. "Wir haben dem Mann deutlich gesagt, was wir auch menschlich davon halten", meint die Nachbarin.

Sonderlich interessieren dürfte es ihn nicht. Das Geschäft mit der Prostitution blüht auch in der Vestestadt. Nach Informationen der Neuen Presse beträgt die Miete pro Dame bei ähnlichen Etablissements zwischen 350 und 500 Euro - pro Woche.



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