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Mittwoch, 02.03.2011:

Bietet Essen die Lösung für den Strich?

DORTMUND/ESSEN. Wie gehen die Reviernachbarn in Essen mit ihrem Straßenstrich um? Diese Frage trieb bereits am vergangenen Freitag eine Delegation aus Dortmund in die Ruhrgebietsstadt. Dort sucht man nach Ideen für die Nordstadt-Probleme.

Eine Erkenntniss aus dem Besuch:  In Essen schreiten die Ordnungsbehörden rigoroser ein als bislang in Dortmund – allerdings gegen eine zahlenmäßig deutlich kleinere Klientel.

Ungemütlich für alle

„Man macht es den Prostituierten und Freiern dort wesentlich ungemütlicher“, erfuhr Dr. Marita Hetmeier, Ratsfrau und Vorsitzende der Nordstadt-SPD. Denselben Eindruck hat auch Gerda Horitzky, stellv. Bezirksbürgermeisterin der Innenstadt-Nord: „Dort schreitet man ein, wenn eine als Prostituierte zu erkennende Frau im Sperrbezirk nur die Handtasche schwingt. Sie wird sofort mitgenommen.“

Die Zahlen in Essen sind grundsätzlich andere, relativiert der Dortmunder Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz, der Nordstadt-Politiker und Verwaltungsvertreter zu der Informationsfahrt eingeladen hatte. In Essen gehen 400 Prostituierte auf den Straßenstrich, in Dortmund 600 bis 700. In Essen ist jede dritte Prostituierte eine Bulgarin, in Dortmund sind es 80 bis 90 Prozent.

Kirmesplatz statt Straße

Angesichts der Entwicklung in Dortmund kam der Besuch der Delegation in Essen nach Meinung von Dr. Hetmeier zu spät: „Die Essener Verhältnisse sind in Dortmund nicht mehr herstellbar.“ Auch bei der Lage des Straßenstrichs gibt es einen Unterschied. In Essen wurde er fernab von Wohngebieten und Straßenverkehr auf einen Kirmesplatz verbannt.

Der am Montagabend im CDU-Kreisvorstand diskutierte Vorstoß, außerhalb der Nordstadt ein Eros-Center nach Kölner Vorbild in verkehrsgünstiger Lage und abseits von Wohnquartieren bauen zu lassen, findet bei den anderen Parteien hauptsächlich negativen Widerhall.

"Schließung als erster Schritt"


„Wenn es hilft, soll es gemacht werden“, meint SPD-Ratsfrau und Nordstadtpolitikerin Dr. Marita Hetmeier, doch sie glaube nicht, dass das gegen die Auswüchse auf dem Straßenstrich helfe. Hetmeier: „Das kriminelle Umfeld ist nicht über ein Eros-Center zu kanalisieren.“ Ein erster Schritt zur Lösung der Probleme bleibe die Schließung des Straßenstrichs.

Auch für den grünen Ordnungsdezernenten Wilhelm Steitz ist ein Eros-Center keine Lösung. „Das ist kein Ersatz. Köln hat trotz des Paschas einen Straßenstrich.“ Die Grünen im Rat haben derweil einen Prüfantrag zum Strich-Standort für die nächste Sitzung des Bürgerdienste- und des Sozialausschusses gestellt. Vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen müsse man prüfen, ob die richtigen Ziele (u. a. Schutz der umliegenden Wohnbebauung und bessere Kontrollmöglichkeiten) an der Ravensberger Straße noch erreicht werden könnten, so Wolfram Frebel, grüner Vorsitzende des Bürgerdienste-Ausschusses.

"Fragwürdige Forderung"

Auch für FDP/Bürgerliste führen „fragwürdige Forderungen“ nach einem Eros-Center nicht weiter. Sie will in einem neu gegründeten Arbeitskreis ein ganzheitliches Konzept mit verschiedenen Maßnahmen entwickeln, die die angespannte Lage in der Nordstadt spürbar verbessern sollen.



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