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Donnerstag, 27.05.2010:
Daumenschrauben für Bordelle
Bremerhaven. Ein Gewerbe wie jedes andere? Wohl kaum. Nach wie vor blüht im Rotlichtmilieu die Kriminalität. Die Hoffnung der Politik, die Prostitution aus der Schmuddelecke herausholen und lediglich mit dem Gewerberecht regeln zu können, hat sich nach Ansicht von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) zerschlagen. Er fordert eine Verschärfung der Bestimmungen.
Immer wieder gerät der Kiez in die Schlagzeilen, wenn in den Bordellen Frauen oder Minderjährige zur Prostitution gezwungen werden. Mit dem hehren Bild von Menschen, die sich freiwillig dem lukrativen Gewerbe hingeben, hat das wenig zu tun. Diese Vorstellungen prägten aber den Gesetzgeber, als er vor knapp acht Jahren das Prostitutionsgesetz schuf.
Prostitution gibt es nun einmal, man kann sie nicht abschaffen, lautete damals die Devise. Deshalb sollte zumindest die Lage der Frauen verbessert werden. Man wollte die Abhängigkeit von Zuhältern verringern und die gesundheitlichen Rahmenbedingungen verbessern. Im Gegenzug sollte der Makel der Sittenwidrigkeit abgeschafft werden. Dahinter steckte die Hoffnung, auf diese Weise langsam die kriminellen Begleiterscheinungen zurückdrängen zu können.
Aber nur wenige Prostituierte nutzten offensichtlich die Möglichkeit, ihr Gewerbe offiziell anzumelden. Schätzungen gehen davon aus, dass sich (Stand 2008) bundesweit nur ein Prozent aller Prostituierten angemeldet haben.
In Bremerhaven gibt es rund um die Lessingstraße 15 Bordellbetriebe mit 150 Prostituierten. Dazu kommen noch 30 sogenannte Modellwohnungen in der Stadt. Im vergangenen Jahr bemühte sich die Polizei, die Prostituierten zur Meldung zur bewegen – sogar mit Erfolg. Dennoch: Bundesweit wird schon länger über mehr Restriktionen nachgedacht, um den Menschenhandel einzudämmen.
Innensenator Mäurer knüpft da an und hat konkrete Vorschläge erarbeitet. Er fordert eine Erlaubnispflicht für alle Bordellbetriebe. Die Konzession wird nur dem erteilt, der eine Zuverlässigkeitsprüfung über sich ergehen lässt. Zusätzlich besteht für alle Prostituierten die Pflicht, ihre Tätigkeit zu melden. Schließlich fordert der Senator ein Mindestalter von 21 Jahren für Prostituierte, weil die meisten Opfer organisierter Menschenhändler unter 21 Jahre alt sind. Mäurer wird seinen Vorschlag morgen der Innenministerkonferenz der Bundesländer vorstellen.
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