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Montag, 14.03.2011:
Der Straßenstrich in Dortmund – und wie es weitergeht
Dortmund. Wie geht’s weiter mit dem Straßenstrich an der Ravensberger Straße? Wie hat sich die Diskussion entwickelt? Was wären die Alternativen? Und welche Partei will eigentlich was? Die WR gibt einen Überblick!
Erst seit ein paar Wochen wird über den Strich, der seit mehr als zehn Jahren besteht, auf breiter Basis diskutiert. Zunächst beklagten die Nordstadtpolitiker, der Straßenstrich ziehe einen Anstieg der Kriminalität in der gesamten Nordstadt nach sich – die Bezirksvertretung sprach sich am 9. Februar für die Schließung des Striches aus. Kurz darauf unterstrich der Polizeipräsident diese Befürchtung. Mitte Februar gab er bekannt: Die Kriminalitätsrate sei deutlich angestiegen. Seitdem hat sich der Druck auf die Politik erhöht, eine Lösung zu finden.
Wie hat sich der Straßenstrich entwickelt? Als die Straßenprostitution im Jahr 2000 an die Ravensberger Straße, die Juliusstraße und die Mindener Straße verlegt wurde – knapp außerhalb des Sperrbezirkes – gab es damals weniger als 50 Frauen, die ihn nutzten. Das Ziel war es, die Prostitution aus den Wohngegenden zu bekommen und die Kriminalität, die sich entwickelt hatte, zu bekämpfen. Mittlerweile, schätzt die Prostituiertenberatung Kober, dass etwa 600 Prostituierte im Jahr auf dem Strich arbeiten. Die Stadt hat 50 bis 80 Frauen täglich gezählt, 80 Prozent komme aus Bulgarien. Diese Frauen prostituieren sich aus großer finanzieller Not heraus.
Was ist das Problem? Nach Angaben des Polizeipräsidenten ist der Strich, der zentrale Anziehungspunkt, auch für kriminelle Männer. Bulgaren, die in ganz NRW durch Kriminalität auffällig geworden sind, geben nach Informationen des Landeskriminalamtes Dortmund als Wohnort an. „Eine ganz neue Dramatik“, nennt Polizeipräsident Hans Schulze das.
Wie geht die Stadtverwaltung mit dem Thema um? Die Verwaltung arbeitet zurzeit an Vorschlägen, über die der Rat am 31. März entscheiden soll. Vorgestellt werden sollen diese bereits am Dienstag nachdem sich der Verwaltungsvorstand getroffen hat. Optionen: die Schließung des Strichs - eventuell befristet –, oder eine Verlegung an einen anderen Ort.
Und die Parteien? Die Parteien sind mitten in der Diskussion. Der SPD-Arbeitskreis Nord (siehe B Seite 1) wird am 16. März tagen, die Tendenz geht zu einer zeitweisen Schließung des Straßenstrichs. In diese Richtung geht auch die CDU, die sich zum Parteitag am 21. März trifft. Der Leitantrag, der dann zur Abstimmung ansteht, sieht die Schließung des Striches und die Einrichtung eines Großbordells vor. Die Grünen treffen sich am 14. März – sie sind bislang gegen eine Schließung und offen für eine Standortverlegung.
Wie funktioniert eine Schließung? Eine Schließung geht über eine Sperrbezirks-Verordnung, die von der Bezirksregierung auf den Weg gebracht werden muss. Erst entscheidet der Rat. Der OB gibt die Entscheidung weiter und Arnsberg prüft den Antrag auf Basis der Vorschriften zum „Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes.“ Die Sperrbezirksverordnung wurde zuletzt 1985 von der Bezirksregierung erlassen.
Was wäre der Effekt? Die Verordnung gibt der Polizei eine Rechtsgrundlage, um Bußgelder zu verhängen. Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz hatte angekündigt, dass ein mit der Verordnung einhergehendes Verbot der Kontaktaufnahme von Frauen und Freiern auch bei den Männern kontrolliert werden würde. Der Bußgeldbescheid geht mit einem Anschreiben an die heimische Adresse – auch eine Form der Abschreckung. Eine Ausweitung des Sperrbezirks ist auch der Wunsch der Bezirksvertretung Eving, die sich für ihren Stadtteil eine solche Verordnung wünscht.
Wohin könnte der Strich verlegt werden? Bislang gelang nur ein Vorschlag an die Öffentlichkeit - der Bereich rund um das Kraftwerk Knepper im Dortmunder Westen. an der Grenze zu Castrop. Dagegen wehren sich bereits einige Bezirksvertreter.
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