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Mittwoch, 06.10.2010:

Drama um Leichenfunde: Spur ins Rotlicht-Milieu?

Obduktion: Frau wurde erstochen - Polizei bittet um Hilfe
Zwei schrecklich verstümmelte Leichen, aber noch keine Gewissheit: Der Fall um die beiden Toten von Erlabrunn und Margetshöchheim wirft weitere Wellen. Nun liegen zumindest erste Erkenntnisse vor.
Wer tötete eine 29-jährige Mutter aus Hettstadt im Landkreis Würzburg? Und warum warf sich ihr Ehemann am Montag – nicht weit vom Fundort ihrer Leiche im Badesee bei Erlabrunn – vor einen ICE? Eine 30-köpfige Sonderkommission der unterfränkischen Polizei geht diesen Fragen nach dem tragischen Tod der Tänzerin und ihres Mannes nach.

Dass die beiden Toten ein Paar gewesen waren, das ist mittlerweile eine gesicherte Erkenntnis der Polizei.

Nach dem Fund erster Leichenteile im Naherholungsgebiet bei Erlabrunn am Sonntagabend hatte die Polizei am Montagvormittag bei genauerem Suchen weitere Teile einer Frauenleiche im Wasser des größeren der beiden Seen entdeckt, darunter einen Torso.

In der Würzburger Rechtsmedizin war die Leiche am Dienstag untersucht worden. Wie Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt bestätigte, ergab eine erste Obduktion „mehrere Stichverletzungen, die todesursächlich waren“. Wo die Frau umgebracht und in Teile zerlegt worden ist, ist bisher nicht bekannt.

Weitere Fragen zu der Leiche, beispielsweise, ob der Kopf gefunden wurde, wollte die Polizei mit Rücksicht auf die Angehörigen nicht beantworten. Am Dienstag jedenfalls durchkämmten Einsatzkräfte nochmals das Naherholungsgebiet in Erlabrunn.

Ob die Tätigkeit der Getöteten in einer Rotlichtbar in Würzburg mit dem Fall zusammenhängt, ist bislang nicht erwiesen. Doch zwei Insider sagen, der Frau sei im Zusammenhang mit einem Jahre zurückliegenden Prozess gegen mehrere Rotlichtbarone in Würzburg gedroht worden, den wahren Charakter ihrer Tätigkeit dem Ehemann zu enthüllen.

Zwar geht man inzwischen von dem wahrscheinlichsten Fall einer Beziehungstat aus. Zumindest theoretisch besteht aber die Möglichkeit, der Mann habe sich aus Entsetzen über das Auffinden seiner vermissten Gattin umgebracht, während jemand anders für ihren Tod verantwortlich sein könnte.

Die Obduktion des Mannes hat keinerlei Hinweise für „irgendeine Art von Fremdverschulden ergeben“. Er war am Montag gegen 9.30 Uhr bei Margetshöchheim von einem ICE aus Hamburg erfasst worden.

Nach der Notbremsung war der Schnellzug im Neubergtunnel bei Margetshöchheim zum Stehen gekommen. Die 600 Fahrgäste mussten über zwei Stunden in dem Tunnel ausharren, bevor sie mit einem Ersatzzug zum Hauptbahnhof nach Würzburg gebracht werden konnten.

Sicher ist die Kripo inzwischen, dass der Fall der Toten im Badesee und der des Mannes im ICE-Tunnel zusammengehören. Polizeisprecher Schmitt und Oberstaatsanwalt Burkard Pöpperl veröffentlichten am Dienstag eine gemeinsame Presseerklärung: Es gebe jetzt „konkrete Hinweise auf die Identität der getöteten Frau“, heißt es darin. „Demnach handelt es sich um eine 29-Jährige aus dem Landkreis Würzburg.“

Weiter heißt es, dass „der 30-jährige Ehemann der Frau, der die 29-Jährige am Sonntagabend als vermisst gemeldet hatte“, der Tote aus dem Bahntunnel ist. In Hettstadt, wo das Paar gewohnt hatte, wird darüber gerätselt, warum die 29-Jährige sterben musste. Der achtjährige Sohn des Paares wurde am Montag von Behörden in Obhut genommen.

Bürgermeister ist erschüttert

Der Bürgermeister der 3900 Einwohner großen Gemeinde Hettstadt zeigt sich erschüttert über die Ereignisse. „Man kann nicht in jeden Einzelnen gucken. Manches ist doch Fassade“, sagt Eberhard Götz (SPD). „Viele haben finanziell zu knabbern, versuchen nach jedem Strohhalm zu greifen.“ Darauf deute die Arbeit der Getöteten „in einem gewissen Milieu“, so Götz.

Auch in Erlabrunn ist die Bestürzung groß, der Leichenfund an den beliebten Badeseen das Thema Nummer eins. Vertreter von Boulevard-Medien recherchierten in dem Weinort am Main, Radiosender interviewten Jugendliche auf der Straße. „Man glaubt immer, so etwas gibt es bei uns nicht, sondern nur in der Großstadt“, so Bürgermeister Günter Muth. Doch diesmal geschah das Verbrechen in der Idylle der Provinz.

Mittlerweile schließen die Ermittler nicht aus, dass die Leiche der 29-Jährigen schon seit Freitag im See lag. Die Ergebnisse der Obduktion lassen diese Annahme zu. Erst am Sonntag hatte der Ehemann seine Frau als vermisst gemeldet.

Die Polizei hofft darauf, dass Zeugen verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Die Polizei hat folgende Fragen:

• Wem ist seit dem vergangenen Freitag am Erlabrunner Badesee ein Fahrzeug aufgefallen? Wer kann speziell Hinweise machen zum Fahrzeug des Ehemanns. Bei dem sichergestellten Auto handelt es sich um einen roten Opel Vectra mit Würzburger Kennzeichen. Wem ist der Opel seit Freitag aufgefallen?

 

• Wer ist dort auf eine verdächtige Person aufmerksam geworden?

• Wer hat sonst irgendwelche Beobachtungen am Badesee gemacht, die mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen könnten?

Hinweise nimmt die Kripo Würzburg unter Tel. (0931) 457-1732 entgegen.



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