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Sonntag, 28.11.2010:
Junge Ungarinnen ins Sex-Geschäft gezwungen
Sie waren blutjung, leicht zu manipulieren, stammten aus ärmlichen Verhältnissen, hatten geringe Schulbildung und waren sozial kaum verwurzelt. Und sie ließen sich nach Deutschland locken in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch für drei Frauen aus Ungarn endete der Traum von Geld in einer Falle. Von einem Landsmann wurden sie in mehreren deutschen Städten als Prostituierte ausgenutzt und ausgebeutet, verprügelt und bedroht.
Der Mann, der den gesamten Dirnenlohn einkassierte, ein 30-jähriger Ungar, bekam gestern die Quittung: Wegen schweren Menschenhandels, Zuhälterei, Körperverletzung und Bedrohung verurteilte ihn die dritte Strafkammer beim Landgericht unter Vorsitz von Richter Karl-Heinz Haeusler zu fünfeinhalb Jahren Haft. Zwei der Ungarinnen waren gerade mal 18 Jahre alt, als sie im März von Beamten des Kriminalkommissariats 1 aus einer Lechhauser Bordellwohnung regelrecht befreit wurden. Sie sprachen kaum Deutsch, durften keinerlei Kontakte zur Außenwelt haben, mussten den Freiern rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sämtliche Sexualpraktiken dulden.
Janos K., der Angeklagte, hatte die Frauen mit zwei Helfershelfern lückenlos überwacht. Spurten die Frauen nicht, wurden sie verprügelt, in einem Fall mit einem 30 Zentimeter langen Fleischermesser bedroht. Abwechselnd mussten sie in Oldenburg, in Regensburg und in Augsburg arbeiten. Nachdem bei Routinekontrollen im Rotlichtmilieu der Verdacht auf Menschenhandel aufkam, hörte die Kripo die Telefone von Janos K. und seinen Helfern ab. Was die Beamten hörten, genügte, um den Ungarn zu verhaften. Die drei Frauen, die nach den polizeilichen Vernehmungen wieder in ihre Heimat gereist waren, sollten gestern auch als Zeuginnen vernommen werden. Doch alle Versuche, sie über Interpol zu laden, schlugen fehl. So suchte das Gericht nach einer einvernehmlichen Lösung.
Staatsanwältin Tanja Horvath, Verteidiger Akos Kricsfalussy, Nebenklageanwältin Marion Zech und die Richter handelten einen „Deal“ aus, mit dem der Angeklagte einverstanden war. Er legte ein Geständnis ab und entschuldigte sich. 30 000 Euro hatten die drei Frauen, wie die Kripo errechnete, als Prostituierte verdient. Kein Cent blieb ihnen. Bis zu 100 Euro am Tag zahlte Janos K. für die Miete, den Rest schob er selbst ein und überwies das Geld nach Ungarn.
Gewalt und Schläge
Schamlos, so sagte Staatsanwältin Horvath, habe K. die Hand aufgehalten und alle Regeln mit Gewalt und Schlägen durchgesetzt. Für seinen Verteidiger hat der Fall „nur Verlierer“ hinterlassen: den Angeklagten, die Frauen und - moralisch - auch die Freier, die die Dienste der Dirnen in Anspruch nahmen. In der Urteilsbegründung charakterisierte Richter Haeusler Janos K. als einen Mann „mit einem feinen Gespür, wie man Menschen ausnutzt“. Die Frauen hätten „einen Teil ihrer Jugend verloren“.
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