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Freitag, 20.05.2011:

Kronzeuge unter Sonderschutz im Bandidos-Prozess

Ein besonders großes Polizeiaufgebot sicherte den 25. Verhandlungstag des Bandidos-Prozesses vor dem Landgericht Gera. Das Verfahren neigt sich nach acht Monaten dem Ende entgegen.


Gera. Eine Minute vor 10 Uhr rollt ein Konvoi von Zivilfahrzeugen mit mobilem Blaulicht durch die Amthorstraße bis vor das Justizzentrum. Die Wagen stoppen, maskierte Beamte mit Maschinenpistolen springen heraus. Keine 20 Sekunden später setzt sich der Tross wieder in Bewegung- die Spezialeinheit hat den Kronzeugen für den Bandidos-Prozess am Landgericht Gera abgesetzt. "Das Landeskriminalamt bestimmt das Aufgebot. Wir haben uns den Sicherungsmaßnahmen zu unterwerfen", sagt Gerichtssprecherin Silke Hollandmoritz. Immer, wenn gegen die Mitglieder des Motorradclubs Bandidos verhandelt wird, schützt ein größeres Polizeiaufgebot das Justizzentrum. Die organisierte Kriminalität könnte schließlich einen Ausbruchversuch der Angeklagten unterstützen. Besucher, die in den Gerichtssaal wollen, werden abgetastet und müssen wie am Flughafen durch einen Metalldetektor gehen. Personenschützer begleiten den Staatsanwalt auf dem Weg vom Büro bis zum Verhandlungssaal. Sagt wie gestern der Kronzeuge aus, steht ein noch größeres Aufgebot bereit. Der Aussteiger aus der Rockerszene, der gegen ehemalige Bekannte aussagt, bedarf eines besonderen Schutzes. Davon künden 20 Polizeifahrzeuge vor dem Justizzentrum, mehrere mobile Kommandozentralen, ein Rettungswagen und viele auffällig unauffällige Zivilfahrzeuge, die im Umfeld unterwegs sind. Privatautos dürfen nicht in die Straße einfahren. Aus einem Fenster des alten Gerichtsgebäudes ragt der Lauf eines Gewehres. Selbst auf dem Dach über den Verhandlungssälen haben vermummte Polizisten Platz genommen. "Die Scharfschützen sitzen auf Campingstühlen", berichtet eine Anwohnerin, die wenig amüsiert vom Frühstückstisch aus das Treiben im Zentrum Geras beobachtet. "Ist dieser Aufwand wirklich nötig", fragt sie kopfschüttelnd.

Selbst andere Prozesse wie der gegen einen wegen Vergewaltigung angeklagten Geraer müssen ins alte Gerichtsgebäude umziehen: Die Polizei braucht für ihren Einsatz die komplette obere Etage, verhüllt Glastüren im Justizzentrum mit Papier, um den Weg des Zeugens durch das Gebäude nicht zu offenbaren. Seit Oktober 2010 läuft das Verfahren, gestern war der 25. Verhandlungstag angesetzt. Es geht um eine Diskoschlägerei in der Szene. Und um den Wurf von Molotow-Cocktails auf das Gebäude eines konkurrierenden Clubs in Unterwellenborn. Und um die Gewalt gegen einen Geschädigten, dessen Frau sich nicht von einem der Angeklagten zur Prostitution überreden lassen wollte. Ein Ende des Verfahrens scheint in Sicht. Für die nächste Sitzung am Mittwoch haben die Verteidiger weitere Anträge angekündigt. Lehnt die Kammer diese ab, könnten die Plädoyers folgen- eine Urteilsverkündung am Freitag wäre möglich. Falls nicht, findet der nächste Termin am 22. Juni statt. Und in Gera herrscht weiter Ausnahmezustand wegen des Prozesses wie gestern, als gegen 12 Uhr erneut der Konvoi - entgegen der Einbahnstraße - vor das Justizzentrum rollte. Maskierte, aufmunitionierte Polizisten kommen aus einer Tür heraus, steigen in die bereitstehenden Wagen. Mit Blaulicht verlassen ein BMW-Kombi, eine Luxuslimousine der gleichen Marke, ein VW-Bus und ein Honda das Geraer Stadtzentrum. Wenig später steigt der Polizeihubschrauber auf - und in Gera zieht allmählich wieder Normalität ein. Kein Gewehrlauf ragt mehr aus dem Gerichtsfenster. Die Polizei-Kleinbusse parken bis zum Nachmittag vor der Tür, bis die Verhandlung schließt - zumindest für heute.



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