Die Polizeidirektion Hannover behält das Steintor im Blick: In dem Rotlicht- und Amüsierviertel hat die Polizei am Wochenende erneut Kontrollen vorgenommen. Die Beamten überprüften in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag insgesamt 130 Personen, leiteten vier Strafverfahren ein und sprachen sieben Platzverweise aus.
Mit 22 sogenannten „Gefährderansprachen“ richteten sich die Beamten zudem an Personen, die durch aggressives Verhalten auffielen.
Vergangene Woche hatte die Polizeidirektion angekündigt, am Steintor mehr Präsenz zeigen zu wollen. Begründet wurde dies mit der hohen Zahl der Straftaten, die rund um die Partymeile verübt werden und meist in Zusammenhang mit Alkohol- oder Drogenkonsum stehen.
Auch am vergangenen Wochenende stieß die Polizei auf zahlreiche Betrunkene – zwei Personen kamen mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. In der Nacht zu Sonnabend kam es am Marstall zu einer Schlägerei mit 20 schwer alkoholisierten Beteiligten. Ein 24-Jähriger bekam eine Flasche gegen den Kopf geworfen und erlitt eine Schnittwunde, ein 30-Jähriger wurde durch Tritte gegen den Kopf verletzt. Wenig später ging ein 21-Jähriger am Marstall mit einem Kopfstoß auf seinen Kontrahenten los.
Insgesamt griffen die Beamten sieben alkoholisierte Minderjährige auf und übergaben sie an ihre Eltern. Ein Atemalkoholtest bei einem 19-Jährigen, der mitten auf der Fahrbahn der Goethestraße mit einem Fußball gespielt hatte, ergab 2,13 Promille. Er kam zur Ausnüchterung vorläufig in Gewahrsam. Für drei weitere Männer endete der Abend ebenfalls in der Zelle: Bei ihrer Überprüfung hatte sich herausgestellt, dass Haftbefehle gegen sie vorlagen.
Bei Kontrollen am letzten Septemberwochenende hatte die Polizei am Steintor bereits 180 Personen überprüft. Die Betreiber mehrerer Steintorklubs hatten daraufhin kritisch geäußert, die Polizei vergraule durch die Maßnahmen das friedlich feiernde Publikum. Gestern klang die Reaktion der Wirte verhaltener: „Die Polizei ist sehr dezent vorgegangen. Wir sind zufrieden“, sagte Werner Rieb, Inhaber des „Bayern Stad’l“. Mit den Kontrollen will die Polizei auch ein Zeichen in Richtung der Klubbetreiber setzen. Aus Sicht von Polizeipräsident Uwe Binias begreifen sich die Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die bei den meisten Klubs die Einlasskontrollen regeln und zum Teil Mitglieder des Rockerklubs Hells Angels sind, als eine Art „Steintor-Polizei“. Nun wollen die Beamten klarstellen, wer in der Stadt für Recht und Ordnung zuständig ist.