Die Polizei hat eine neue Strategie im Umgang mit den Hells Angels, die einen Großteil des Rotlichtviertels mit Clubs, Bordellen, Stripbars, und Kneipen kontrolliert. Und die lautet: Präsenz und Stärke zeigen.
"Die Hells Angels bezeichnen sich selbst als Outlaw-Motorcycle-Gang - stellen sich somit außerhalb des Gesetzes", sagt Hannovers Polizeisprecher Stefan Wittke. Daher seien die Streifeneinsätze der Beamten vor allem in den Wochenendnächten in der Partyzone deutlich erhöht worden. "Wir wollen deutlich machen, dass für die Sicherheit auf der Straße ausschließlich die Polizei zuständig ist", betont Wittke.
Auch das Verhalten der Türsteher vor den Amüsierlokalen wird kritischer beobachtet. "Das System der Hells Angels beruht auf dem martialischen Auftreten der Türsteher", erläutert Wittke. Es werde nicht hingenommen, dass diese immer wieder auch Menschen auf der Straße kontrollierten.
Die Hells Angels versuchen, ihre Geschäfte auf Hannovers Partymeile öffentlichkeitswirksam zu legalisieren. Im Mai kamen Abgesandte der miteinander verfeindeten Hells Angels und Bandidos zu einer bühnenreifen Inszenierung in Hannover zusammen. Beide Parteien versprachen, "zukünftig in friedlicher Koexistenz miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektierten, ohne dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt."
Zelebriert wurde der Friedensschluss in der Kanzlei von Götz von Fromberg, der gute Kontakte zu Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness hat. Er vertritt den einflussreichen Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth. Zudem besitzt von Fromberg mitten im Amüsierviertel ein Restaurant.
Die Szene werde allerdings nach wie vor als gewaltbereit und aggressiv eingeschätzt, sagt der Sprecher des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA), Frank Federau. Das LKA beobachtet sämtliche Rockerguppen seit 2005 mit einer eigenständigen Ermittlungsgruppe. Die vier großen Rockergruppierungen - Hells Angels, Bandidos, Outlaws, Gremium MC - weisen demnach Züge der Organisierten Kriminalität auf.
"Sie sind straff und hierarchisch gegliedert, schotten sich systematisch ab, gehen arbeitsteilig vor, und einzelne Mitglieder werden vom LKA Niedersachsen als extrem gewaltbereit eingestuft", betont Behördensprecher Federau. Eine Vielzahl der Rocker sei den Ermittlern wegen schwerwiegender Straftaten bekannt, etwa Körperverletzung bis hin zu Tötungsdelikten.
Ein bundesweites Verbot der Rockerbanden ist derzeit nicht in Sicht. "Wir beobachten die Szene intensiv, alle Informationen werden beim Bundeskriminalamt gesammelt", sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Wenn die Erkenntnisse ausreichen, könnte es ein bundesweites Verbot geben.
"Wir haben aktuell keine Erkenntnisse, dass die Hells Angels in Hannover als verbrecherische Organisation einzustufen sind", sagt Polizeisprecher Wittke. Zwar habe es von Ende Mai 2009 bis Sommer 2010 in Hannover 97 Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der Hells Angels gegeben. Diese seien aber nicht der organisierten Kriminalität zuzuordnen. Darunter fallen Straftaten wie Menschen-, Drogen- und Waffenhandel sowie Schutzgelderpressung. Auch bei den vergangenen Razzien hatte es keine gravierenden Vorfälle gegeben. Trotzdem bleiben die Hells Angels unter besonderer Beobachtung der Polizei.