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Dienstag, 05.04.2011:
Prostituierte will aussagen – und wird aus Mercedes heraus beschossen
Im Prozess wegen Menschenhandels und Zuhälterei vor dem Braunschweiger Landgericht sagte am vierten Verhandlungstag eine 29 Jahre alte Hauptbelastungszeugin aus. Sie schilderte dem Gericht, wie sie der Hauptangeklagte (40) erst mit Versprechungen, später mit Drohungen und Schlägen dazu gebracht hat, der Prostitution nachzugehen und ihm jahrelang alle ihre Einnahmen abzuliefern.
Über die mitangeklagte Freundin des Angeklagten habe sie diesen 2005 in Wolfsburg kennengelernt. Nach einiger Zeit habe der 40-Jährige ihr erklärt, dass er sich von seiner Freundin getrennt und sich in sie verliebt habe. Gemeinsam wolle er mit ihr eine Zukunft aufbauen, dafür benötige man jedoch viel Geld.
Die 29-Jährige glaubte ihm diese Geschichte und ließ sich auf das Angebot des 40-Jährigen ein. Täglich habe sie rund um die Uhr in wechselnden Städten gearbeitet und bis zu 20 Freier empfangen.
Der Tagesverdienst habe, so die Zeugin, zwischen 700 und 1000 Euro gelegen. Bis 2010 hatte die 29-Jährige für den Angeklagten gearbeitet – bis ihr allmählich klargeworden sei, dass es neben ihr noch weitere Freundinnen gab, die für den Angeklagten wie sie anschafften.
Daraufhin habe sie erklärt, nicht mehr im horizontalen Gewerbe arbeiten zu wollen, was dem Angeklagten zunächst auch recht gewesen sei – allerdings unter der Bedingung, dass sie auch wirklich aufhöre und nicht für einem anderen Mann weiterarbeite. Zudem habe er von ihr 1000 Euro "Abstand" gefordert, die sie auch gezahlt habe.
Später habe der Angeklagte den Verdacht geäußert, dass sie gegen ihn bei der Polizei aussagen wolle. Dies habe sie bestritten, daraufhin habe der Angeklagte ihr eine Pistole an den Kopf gehalten und erklärt, er werde sie erschießen und vom Balkon werfen.
In Wolfsburg sei es später zu einem weiteren Vorfall gekommen, als sie aus einem schwarzen Mercedes mit Magdeburger Kennzeichen heraus beschossen wurde. Nachdem sie diese Tat angezeigt hatte, war die Zeugin monatelang in einer polizeilichen Schutzwohnung untergebracht.
Durch mehrmalige Zwischenrufe gab der Angeklagte kund, dass diese Aussagen erfunden seien, um ihn zu schädigen und vom Markt zu drängen. Dahinter stecke ein Braunschweiger Mitbewerber, mit dem er verfeindet sei.
Der Prozess wird am 18. April fortgesetzt.
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