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Freitag, 08.10.2010:

Prostitution aus der Grauzone holen

Aachen. Zwangsprostitution, Menschenhandel und internationale Kriminalität im Umfeld von Bordellen, Saunaclubs und Straßenstrichs wird in der Euregio seit 2007 von einer grenzüberschreitenden Arbeitsgruppe verfolgt. «Rotlicht» heißt sie. Dirk Minter von der Föderalen Polizei Hasselt ist ein Teil davon.

Bei einem Expertenhearing zum Thema Prostitution berichtete er vom jüngsten Fahndungserfolg: Sechs Festnahmen dies- und jenseits der Grenzen wegen Menschenhandels. Ausgesagt hatte die 25-jährige Kirgisin «Olga», die in einem belgischen Club anschaffen musste. Sie war durch Mittelsmänner über Amsterdam, Heerlen und Aachen nach Belgien gebracht worden und musste dort anschaffen.

Wohl wegen «Aufsässigkeit» sei sie halb tot geprügelt worden. Die Polizei brachte sie in ein Auffanghaus, «Olga» sagte aus. Einige der Festgenommenen wurden bereits verurteilt. Ein Prozess in Maastricht läuft noch.

Seit dem EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens überschwemmen Frauen aus diesen Ländern die Clubs und Straßenstrichs, sagte der Leiter des Dortmunder Ordnungsamtes, Ortwin Schäfer. Schäfer war eingeladen, um das «Dortmunder Modell» vorzustellen. Die liberalere Herangehensweise an das Prostitutionsproblem beginnt an einem Runden Tisch.



Konzessionierter Gewerbebetrieb

Hier sitzen vom Staatsanwalt, über die Polizei und die Verwaltung auch die Vereinigungen, die Basisarbeit bei den Prostituierten vor Ort machen, wie etwa die «Mitternachtsmission» oder der Verein «Sowoldi» (Solidarität mit Frauen in Not). Die Gesprächsangebote würden von den Rotlicht-Unternehmern gut angenommen, sagt Schäfer.

Er will die Prostitution aus der «Grauzone zur Illegalität» herausholen und zu einem konzessionierten und kontrollierten Gewerbebetrieb machen. Damit biete sich die Möglichkeit, bestimmte Standards zum Schutz der Allgemeinheit, der Freier und der Prostitution vorzuschreiben. Schäfer: «Wir kanalisieren die Prostitution, schaffen Räume und haben dadurch an anderen Stellen Ruhe.»

Die Basisarbeit der Vereine zeichnet sich dadurch aus, dass sie Frauen beraten und Obdach geben, falls sie Gewalt und Zwang ausgesetzt werden. Dazu kommen eine Betreuung in hygienischen und sozialen Fragen.

Letzteres habe auch in Aachen hohe Priorität, meinte die städtische Baudezernentin Gisela Nacken, die sich mit der Situation der Aachener Prostitutionsmeile mitten in der Stadt beschäftigte. Der Hausbestand sei völlig veraltet und heruntergekommen. Nacken schließt eine Komplettverlegung dieser Meile nicht aus.



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