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Mittwoch, 20.10.2010:
Recklinghausen / Das Geschäft mit der Lust verbreitet auch Frust
Das Grenz-Dreieck Marl/Herten/Recklinghausen erfreut sich steigender Beliebtheit. Und das beunruhigt die drei Städte. Denn innerhalb weniger Monate ist die B 225 von Marl nach Recklinghausen zum Arbeitsplatz von einem Dutzend Prostituierten geworden.
Am Donnerstag gab es eine große Kontrolle
Die drei Ordnungsämter erteilten allen Prostituierten Platzverweise (dient der „Gefahrenabwehr und gilt höchstens 24 Stunden) und veranlassten die Beseitigung der Verunreinigungen (Taschentücher, Kondome) im Umfeld der B 225. Auch auf den Seitenwegen habe man Kontrollen durchgeführt, so die Stadtverwaltung Marl, Prostituierte und Freier angetroffen und ein Ordnungsgeld erhoben.
Was die Frauen dort treiben, ist eigentlich rechtlich nicht zu beanstanden, heißt es aus den Rathäusern. Dennoch gibt es Beschwerden und deshalb gab es die Kontrolle der Ordnungsämter und der Polizei am Donnerstag.
Es gibt aber auch eine Behörde, die hängt sich in das Geschäft rein und kassiert mit: Das Finanzamt. Die Damen betreiben nämlich ein ganz legales Gewerbe, das sie dem Finanzamt anzeigen müssen, wenn sie ihre Arbeit aufnehmen. Dann gibt es ein Steuerkonto, möglichweise Vorauszahlungen und einen Steuerbescheid, der natürlich an den Wohnsitz geht – also nach Osteuropa (Rumänien, Bulgarien), woher die Frauen kommen.
So weit die Theorie. In der Praxis gibt es Zweifel, ob die Frauen ihre Einnahmen auch korrekt angeben. Steuerfahnder kontrollieren, wer wo arbeitet. Außerdem müssen Einnahmen-Ausgaben-Bücher geführt werden (Schutzgelder für Zuhälter gehören nicht zu den absetzungsfähigen Ausgaben). Wie die Steuern beigetrieben werden, darüber will sich das Finanzamt Marl nicht äußern, auch nicht wie viele Prostituierte Steuern zahlen. Und erst recht nicht, wie die Steuerlage an der B 225 aussieht. Schwarzarbeit im „verschwiegenen Gewerbe“ (wie eine Finanzamts-Broschüre heißt) ist ein Problem.
Andere Behörden haben auch so ihre Probleme. Deshalb haben die drei betroffenen Städte einen Arbeitskreis gegründet und wollen auch in Zukunft weitere gezielte Kontrollen vornehmen. Verbote sind auf die Schnelle nicht zu erwarten. Weggeworfene Papiertaschentücher und zugeparkte Reitwege reichen nicht aus.
Aber was ist mit der Verkehrsgefährdung, weil Autofahrer unvermutet in die Bremse treten, um sich das Treiben genauer anzusehen?
Sind die Aktivitäten im Auto schon Erregung öffentlichen Ärgernisses?
Stellt die Prostitution eine unerlaubte Sondernutzung des öffentlichen Raumes dar?
Wie weit die Überlegungen sind, darüber wollen die Stadtverwaltungen nicht reden. Man nehme die Klagen der Bürger ernst. Wie schon seit Monaten.
Die Klagen mehren sich, weil sich auch das Angebot und das Interesse mehren. Insider vermuten, dass das Gewerbe hier gerade eine Ausweichmöglichkeit gefunden hat. In manchen Ruhrgebietsstädten gebe es ein Überangebot. Das mache auch die Preise kaputt.
Dafür entsteht nun in im Städte-Dreieck ein neues Angebot.
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