Stadt plant, Sperrbezirk auszuweiten und Verrichtungsboxen wie in Longerich aufzustellen
Bei den Revierkämpfen von Prostituierten und Zuhältern auf dem Straßenstrich im Kölner Süden will die Stadt nicht mehr tatenlos zusehen. In Abstimmung mit Polizei und Bezirksregierung prüft das Ordnungsamt derzeit, ob sich der Bereich Meschenich und Brühler Landstraße zum Sperrbezirk erklären lässt.
Denn die Situation, so heißt es, habe sich dort enorm verschärft: Bulgarische Prostituierte drängten nach Köln, nachdem die Stadt Bonn ihnen das Anschaffen in ihrem bisherigen Revier untersagt hat. Deutsche drogenabhängige Prostituierte wichen notgedrungen aus, warten seitdem im Wohngebiet Am Kölnberg auf Freier. Außerdem treffen die ohnehin schon rivalisierenden bulgarischen Zuhälter neuerdings auch noch auf eine Rockerbande, die ebenfalls vom Geschäft mit der Straßenprostitution profitieren will. Deren Mitglieder kontrollieren laut Polizei den Wohnwagenstrich im Bereich Militärring/Robinienweg, verlangen von den Frauen eine Miete von bis zu 100 Euro pro Schicht.
Zwar ist Prostitution grundsätzlich legal, andererseits kann sie - wie in der Kölner Innenstadt geschehen - in bestimmten Bezirken verboten werden, wenn beispielsweise bei massiven Bürgerprotesten das öffentliche Interesse über die Berufsausübung gestellt wird. Die Genehmigung muss von der Bezirksregierung Köln kommen, entscheiden wird letztlich der Stadtrat.
Die Verwaltung berät sich aber nicht nur mit Politik und Polizei, auch die sozialen Hilfsorganisationen wurden ins Boot geholt. Denn eine Änderung der Sperrbezirksverordnung, so teilt die Stadt mit, könne nur einhergehen mit einem Betreuungsprogramm für die Prostituierten. Andernfalls würden der Straßenstrich und damit die Probleme nur verdrängt.
In Köln-Longerich lässt sich derweil studieren, wie so eine Betreuung aussehen kann. Es sorgte bundesweit für Aufsehen, als sich die Stadt Köln vor neun Jahren entschied, den Straßenstrich dort auf ein umzäuntes Gelände im Industriegebiet an der Geestemünder Straße zu verlagern. So genannte Verrichtungsboxen, alle mit Alarmknopf ausgerüstet, wurden aufgestellt. Gibt es Ärger, ist die Polizei zügig vor Ort. Zudem kümmern sich die Betreuerinnen vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF), die eine eigene Anlaufstelle auf dem Gelände haben, um die Prostituierten.
50 bis 70 Frauen gehen an der Geestemünder Straße täglich anschaffen. "Wir stehen ihnen zur Seite, von uns bekommen sie Kondome und Kaffee, aber auch Tipps und Hilfe, wenn sie aussteigen wollen", sagt Monika Kleine vom SkF Köln. Was aber am wichtigsten ist: "Auf dem Gelände fühlen sie sich sicher."
Die Erfahrungen, die bislang in Longerich gesammelt wurden, sprechen für die Verrichtungsboxen. Ein Stadtsprecher sagt daher auch: "Wir können uns für den Kölner Süden ein solches Modell durchaus vorstellen."