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Montag, 19.09.2011:
Rotlicht-Zoff! Bordell-Boss muss 50.000 Euro blechen
Eine Richterin verhindert Krieg hinter der Frauentormauer
NÜRNBERG Richterin Jasmin Palm, die die 14. Zivilkammer des Landgerichts leitet, hat am Mittwoch einen Krieg im Rotlicht-Viertel verhindert.
Ein Bordellbetreiber (Frauentormauer, Haus 80) und sein Geschäftspartner liefern sich seit Monaten eine wahre Schlammschlacht. Sie kommunizieren nur noch über ihre Anwälte miteinander und überziehen sich gegenseitig mit Anzeigen. Es geht ums Geld.
Bordell-Boss C., der behauptet, die schönsten Frauen im Rotlichtviertel anbieten zu können, hat viel Geld investiert, um das heruntergekommene Etablissement aufzupeppen. Zum Stemmen der Investitionen holte er sich den Rumänen B. ins Boot. In einem windigen Vertragswerk wurde geregelt, dass sowohl Kosten als auch Gewinne jeweils zur Hälfte geteilt werden. Das Modell funktionierte allerdings nur für kurze Zeit. B., der nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Euro investierte, fühlt sich von C. über den Tisch gezogen und verlangt einen sechsstelligen Betrag zurück. C. wiederum , der seinem Geschäftspartner Untätigkeit vorwirft, macht eine Gegenrechnung auf. Das Ergebnis dieser Rechenkünste formulierte er gestern vor Gericht so: „Ich kriege 50.000 Euro von ihm.“
Die gegenseitigen Vorwürfe, mit denen sich die beiden Streithähne anschließend bewarfen, dokumentierten das tiefe Zerwürfnis. Richterin Palm, die beim Blick in die Akten feststellte, dass noch weitere gerichtliche Auseinandersetzungen zu erwarten sind, wollte dann auch gleich Nägel mit Köpfen machen und eine grundsätzliche Lösung herbeiführen, um die Lage nicht noch weiter eskalieren zu lassen. Eine weitere Zusammenarbeit der beiden hielt sie für ausgeschlossen.
Sie musste viel Geduld und Redekunst aufwenden, bis am Ende ein Kompromiss herauskam, den beide akzeptierten. Danach muss Bordell-Boss C. an B. 50.000 Euro zahlen. Weil der auch noch dem Finanzamt 100.000 Euro schuldet, wurde eine Ratenzahlung (5000 Euro monatlich) vereinbart. Sollte C. auch nur mit einer Rate in Verzug kommen, sind allerdings 100.000 Euro fällig.
PS: Das „Haus 80“ stand schon wiederholt im Blickpunkt. Bei einer gerichtlich durchgesetzten Räumungsaktion des Vorbesitzers z.B. kletterte ein Bordelmitarbeiter im 4. Stock aus dem Fenster und drohte damit, in die Tiefe zu springen - ein spektakuläres Foto von der Razzia finden Sie in Ihrer AZ-Printausgabe am 8. September.
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