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Donnerstag, 06.10.2011:

Wen Sex reich macht und wen nicht

Mit Prostitution kann man ein Vermögen verdienen. Das zeigen Bilanzen namhafter Bordelle. So wies beispielsweise das „Babylon“ am Walserberg 2010 einen Bilanzgewinn von 854.000 Euro aus. Reich werden aber eher die Betreiber als die Frauen.


Den Straßenstrich erlauben oder verbieten, Bordelle genehmigen oder nicht – in Salzburg wird wieder über das Geschäft mit der Liebe diskutiert. Doch wie groß ist dieses Geschäft wirklich? Kann man mit käuflicher Liebe reich werden?

„Nein“, sagt die Sozialarbeiterin beim Projekt Pia, das sich mit der Beratung von Sexarbeiterinnen beschäftigt. Damit meint sie freilich nicht die Bordellbetreiber, sondern die Prostituierten selbst.

Anderes sagen Salzburger Bordellbetreiber. Sie sprechen davon, dass gefragte Damen schnell einmal 10.000 Euro oder mehr pro Monat verdienen könnten. Und damit fein heraußen seien.

Von solchen Zahlen will die Sozialarbeiterin nichts hören: „Reich ja – aber nur an Erfahrungen“, nennt sie die mögliche Ausbeute für die meisten Frauen. „Ich kenne viele, die knapp an oder unter der Armutsgrenze leben, vor allem wenn sie gesundheitsbewusst arbeiten.“

Was das genau heißt, erklärt eine ehemalige Prostituierte, die anonym bleiben will. Sie berichtet von den Bordellen und Laufhäusern, in denen die Frauen als Selbstständige ihre Dienste anbieten. Ihre Beobachtung: „Es gibt zu viele Prostituierte in ganz Österreich. Viele können die Miete im Laufhaus nicht mehr zahlen.“ Diese steigende Konkurrenz unter den Frauen habe daher Auswirkungen: „Die Kunden haben die Auswahl – und können darum schon um einen geringen Aufpreis etwa Geschlechtsverkehr ohne Kondom fordern.“

Der Preis am Straßenstrich beginne schon bei 30 Euro, sagt sie, in den Etablissements sei man ab 50 Euro „dabei“. Das Geld bleibt aber den Frauen nicht netto – viele Abzüge fallen an: „Die Bordellbetreiber verlangen hohe Mieten für das Zimmer. Meist werden die Einnahmen im Verhältnis 40 zu 60 geteilt“, sagt die Aussteigerin. Die Alternative sei, rund 100 Euro Miete pro Tag an den Betreiber des Laufhauses abzuliefern.

Beide Insiderinnen sagen, dass immer mehr Frauen die rund 300 bis 500 Euro an pauschalierter Einkommenssteuer, die meist auch über den Bordellbetreiber abgewickelt werde, nicht zahlen könnten – „auch, weil viele Frauen aus Osteuropa viel Geld nach Hause schicken“.

Österreicherinnen gebe es in der Szene ohnehin kaum. „Es gibt auch Fälle, bei denen die Steuer zwar vom Bordellbetreiber einkassiert, aber nicht abgeliefert wurde“, sagt die Sozialarbeiterin. Bekannt seien ihr auch Frauen, die sich nicht einmal die wöchentliche Untersuchung um 35 Euro leisten könnten. Zusätzlich müssten legal arbeitende Prostituierte noch rund 160 Euro pro Quartal an Sozialversicherung berappen, erläutert die Pia-Projektleiterin. „Momentan müssen die meisten Frauen, die sich beruflich umorientieren, Mindestsicherung beantragen, weil sie keine Rücklagen haben.“

Wesentlich besser verdienen dürften freilich Salzburger Bordellbetreiber – jedenfalls manche. Das zeigt ein Blick ins Firmenbuch. So wies etwa das als GmbH firmierende „Babylon“ am Walserberg 2010 einen Bilanzgewinn von 854.000 Euro aus. Immerhin 320 Euro bezahlen Kunden hier pro halber Stunde. Beim Konkurrenzbetrieb „FKK Mystik“ scheint dagegen ein offizieller Bilanzverlust von 207.000 Euro auf. Weniger Daten gibt es etwa vom „Pascha“ – hier schätzt der Kreditorenschutzverband den Umsatz aber immerhin auf zwei Millionen Euro im Jahr 2010. Kleinere Häuser, die als Personengesellschaften geführt werden, müssen keine Bilanzen im Firmenbuch veröffentlichen – und tun es deshalb auch nicht. Auffallend ist, dass die meisten Bordelle von Betriebsgesellschaften geführt werden, deren Name in keinem Zusammenhang mit dem Bordellnamen selbst steht. Teils komplexe Firmengeflechte sind die Norm, die Eigentümerverhältnisse bisweilen undurchsichtig.

Wobei: Die wahren Gewinne aus der Prostitution würden in vielen Fällen an offiziellen Bilanzen vorbeilaufen, sagt ein Salzburger Steuerberater – auch er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Zwar unterlägen, sagt der Experte, Bordelle denselben Bilanzierungsregeln wie alle anderen Firmen. Jedoch, so die Erfahrung, „sind die wahren Einnahmen in tiefes Grau gehüllt – und die Verteilung der Beute auch“.

Hinzu komme, dass Bordelle nur „Hüllen“ seien, in welchen das eigentliche Geschäft ablaufe. Denn die Frauen seien Freiberuflerinnen oder teils pauschaliert. Daher flössen vor allem die „Zimmermieten“ der Mädchen und die Getränkeumsätze in die Bilanzen ein.

Weiteres Phänomen: Illegale Bordelle, die am Fiskus vorbeilaufen. Auch sie gibt es – diese seien aber kurzlebig, sagt Michael Haybäck vom städtischen Amt für Öffentliche Ordnung.



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